Türkiye Cumhuriyeti

Münster Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

Anlässlich der Fachkonferenz Talente entdecken – Zukunft sichern, 26.05.2015

Rede des Herrn Generalkonsul Ufuk Gezer
anlässlich der Fachkonferenz Talente entdecken – Zukunft sichern
am 26. Mai 2015 in Gelsenkirchen
Sehr geehrte Frau Ministerin,
Sehr verehrter Herr Abgeordneter Poss,
Meine sehr veehrten Damen und Herren,
liebe Jugendliche,
Es ist für mich eine große Freude, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.
Denn es handelt sich hier um ein Thema, das unserem Generalkonsulat sehr am Herzen liegt. Von den circa 170.000 türkischen Landsleuten in unserem Konsularbezirk ist ein Drittel in einem Alter unter 15 Jahren.
Unsere erste Priorität besteht darin, dass sich die türkischen Jugendlichen in die Gesellschaft integrieren und einen Beruf ergreifen.
Wir als Generalkonsulat bemühen uns sehr intensiv darum, diese Jugendlichen zu erreichen. In Zusammenarbeit mit den Berufsschulen und anderen weiterführenden Schulen organisieren wir Veranstaltungen für Schüler mit Migrationshintergrund. Auch sind wir in den sozialen Netztwerken sehr aktiv. Unsere Facebookseite hat mehr als 5000 Besucher.
Jedoch muss ich gestehen, dass wir mit der Generation, die ab Mitte der 90’er Jahre geboren wurde, bisher noch nicht den gewünschten Kontakt aufbauen konnten. Dies ist meines Erachtens jedoch nicht nur ein Problem unseres Generalkonsulats. Diese Generation, die in unsere heutige digitale Welt hineingeboren wurde, ist anders als die vorhangegangene Generation. Sie hat andere Erwartungen und verfügt nur über eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne.
Unsere Botschaften an sie müssen daher kreativ und prägnant sein. Einige Autoren bezeichnen dieses Generation als die ADS-Generation (also als eine Generation, in der das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sehr verbreitet ist). Jedoch haben sich die öffentlichen Strukturen in dieser Hinsicht noch nicht genügend angepasst. Vielmehr wird versucht, mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts Antworten auf Phänomene des 21. Jahrhunders zu finden.
Aus diesem Grund versuchen wir, Methoden zu entwickeln, die kreativer und “cooler” sind.
Wir stellen fest, dass die beste Methode darin besteht, den Jugendlichen mehr Verantwortung und Befugnisse zu übertragen. In unserem Konsularbezirk gibt es Hunderte von Vereinen. Bei unseren Treffen frage ich ihre Vertreter vor allem eins: Wie viele Vorstandsmitglieder sie haben, die unter 20 Jahren sind, und welche Aufgaben haben sie diesen übertragen? Die Gründung eines Jugendverbandes allein reicht nicht aus. Man muss Jugendlichen grundsätzlich die Möglichkeit zu mehr Verantwortung und Mitbestimmung geben.
Diese Einsicht könnte auch in der Integrationspolitik Anwendung finden. Um die Integration der Migranten zu fördern, ist es erforderlich, den Migranten auch innerhalb der Polizeibehörden und Stadtverwaltungen sowie in der Kommunal- und Bundespolitik mehr Verantwortung und mehr Befugnisse einzuräumen. Der populäre Begriff der “Willkommenskultur” sollte mehr als nur eine gutgemeinte leere Formel sein, sondern auch mit Inhalt gefüllt werden.
In dieser Hinsicht stellt Frau Ministerin Özoğuz für unsere Jugendlichen ein Vorbild und eine Quelle der Inspiration dar. Auch erfüllt es uns mit Zuversicht, dass junge und talentierte Jugendliche wie Suat Yılmaz Verantwortung und wichtige Aufgaben übernehmen.
Sehr verehrte Gäste,
der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration der jungen Generation besteht darin, dass sie eine gute Ausbildung erhalten, welche ihnen einen entsprechenden Vorteil am Arbeitsmarkt verschafft.
Jedoch müssen wir feststellen, dass in dieser Hinsicht in Deutschland, ernsthafte Probleme bestehen. OECD-Berichten zufolge hängt der Erfolg innerhalb des deutschen Bildungssystems unmittelbar vom sozio-ökonomischen Umfeld ab.
Das heißt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien weniger Erfolg haben als andere Kinder, was sich negativ auf ihre soziale Mobilität auswirkt.
Unter diesen strukturellen Problemen leiden am meisten die Migranten, die ohnehin sozial schwach sind und darüber hinaus mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Diese doppelte Benachteiligung ist bei den Türken, die die größte Migrantengruppe in Deutschland darstellen, besonders deutlich zu spüren.
Ich treffe mich oft mit türkischen Jugendlichen, um mehr über ihre Zukunfts-vorstellungen zu erfahren. Dabei habe ich festgestellt, dass sie oft das Gefühl haben, aufgrund ihrer Herkunft nicht vollständig akzeptiert zu werden.
Wir tun alles, um diese pessimistische Haltung zu ändern und den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu bieten. In diesem Zusammenhang haben wir mit der Handwerkskammer Münster, den Bezirksregierungen Münster und Detmold, der Agentur für Arbeit Münster-Ahlen sowie vielen Städten zahlreiche Projekte entwickelt. Wir unterstützen türkische Unternehmen dahingehend, dass sie benachteiligten Jugendlichen die Möglichkeit bieten, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Gemeinsam mit türkischstämmigen Unternehmern haben wir ein Projekt mit dem Motto „Jeder muss seine Hand unter den Stein legen“ initiiert, welches darauf abzielt, dass in dieser Hinsicht jeder Verantwortung übernimmt. Um dieses Projekt auf eine institutionelle Ebene zu bringen, unterstützen wir eine Plattform der türkischen Unternehmer in Westfalen.
Sehr verehrte Gäste,
die globalen Konkurrenzbedingungen erfordern eine verstärkte Anpassungs-bereitschaft.
Von daher stellt der demografische Wandel in Deutschland eine große Herausforderung für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und auch alle anderen Gesellschaftsbereiche dar.
Zu diesen Themen finden intensive Diskussionen statt. Ich werde hier lediglich an eine einfache Regel erinnern: Nur Jugendliche, die selbstbewusst sind und das Gefühl haben, akzeptiert zu werden, können sich erfolgreich in die Gesellschaft integrieren.
Meine Mitarbeiter und ich werden hierzu jeden möglichen Beitrag leisten.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.