Türkiye Cumhuriyeti

Münster Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

TÖMER Türkçe eğitimi diploma töreninde yapılan konuşma, 15.05.2015

Rede des Herrn Generalkonsul Ufuk Gezer
anlässlich der Verleihung der Tömer-Zertifikate
am 13.05.2015 in Gelsenkirchen

Sehr verehrte Frau Dr. Schmitz,
sehr geehrter Herr Dr. Hillebrand,
sehr geehrter Herr Cora,
sehr verehrte Gäste,

zurzeit geben in unserem Generalkonsulat unsere Landsleute ihre Stimme zu den türkischen Parlamentswahlen ab. Und da meine Funktion als Leiter der Wahlkommission meine dortige Anwesenheit erfordert, habe ich eigentlich sämtliche Termine im Mai abgesagt. Allein bei dieser heutigen Veranstaltung habe ich eine Ausnahme gemacht. Denn sie betrifft drei zentrale Themen, die für unsere Landsleute besonders wichtig sind. Nämlich:

1. ihre Integration und Identität,
2. ihre Bildung, und
3. ihre Muttersprache.

Dabei ist unser vorrangiges Ziel Ünterschützung die Bildung der unseren Landsleute. Denn ein Drittel der Deutsch-Türken befindet sich in einem Alter unter 15 Jahren.

Aus diesem Grund freue ich mich, heute mit Ihnen an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Die Diskussionen um die Bildung und ein multikulturelles Gesellschaftsmodell sind eng miteinander verknüpft. Dies ist insbesondere für Deutschland von großer Bedeutung, da jeder Fünfte der Gesamtbevölkerung ausländische Wurzeln hat.

Sehr verehrte Gäste,

im Gesellschaftsmodell des 21. Jahrhunderts treten Begriffe wie Mobilität, Flexibilität und Multikulturalität immer mehr in den Vordergrund.

Dabei ist es vor allem wichtig, ein multikulturelles Gesellschaftsideal zu verwirklichen.

Der Schlüssel einer erfolgreichen Integration dieser jungen Generation besteht darin, dass sie eine gute Ausbildung absolvieren, um sich einen entsprechenden Vorteil am Arbeitsmarkt zu verschaffen.

Jedoch müssen wir feststellen, dass in dieser Hinsicht ernsthafte Probleme bestehen. OECD-Berichten zufolge hängt der Erfolg innerhalb des deutschen Bildungssystems unmittelbar vom sozio-ökonomischen Umfeld ab.

Das heißt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien weniger Erfolg haben als andere Kinder, was sich negativ auf die soziale Mobilität auswirkt.

Ich zitiere die Staatsministerin für Integration im Kanzleramt, Aydan Özoğuz, die kürzlich sagte: „Gerade jetzt hat wieder eine Studie gezeigt, dass die Schulabgänger trotz bester Noten nur wegen eines türkischen Namens bei vielen Bewerbungen abgelehnt werden.“

Ich treffe mich oft mit türkischen Jugendlichen, um mehr über ihre Zukunfts-vorstellungen zu erfahren. Dabei habe ich festgestellt, dass sie oft das Gefühl haben, aufgrund ihrer Herkunft nicht vollständig akzeptiert zu werden.

Wir tun alles, um diese pessimistische Haltung zu ändern und den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu bieten.

Nur Jugendliche, die selbstbewusst sind und das Gefühl haben, akzeptiert zu werden, können sich erfolgreich in die Gesellschaft integrieren.

Spielt Sprache in Hinblick auf die eigene Kultur eine Schlüsselrolle. Und für Migranten, die gewissermaßen eine doppelte Identität ausbilden, spielt somit die Zweisprachigkeit eine wichtige Rolle. Wenn ihre Muttersprache als Hindernis angesehen wird, führt dies nicht zu einer Beschleunigung der Integration, sondern vielmehr zu einer Identitätskrise.

Eine Alternative wäre hier vielmehr, den muttersprachlichen Unterricht bereits im Vorschulalter einzuführen.

Auch hätte die generelle Einführung des Wahlfachs „Türkisch“ sicher einen positiven Einfluss auf den Entwicklungsprozess der Migrantenkinder.

Jedoch wird bisher nur an 12 Gymnasien in NRW die muttersprachliche Unterweisung in Türkisch als Wahlfach angeboten.

Zwischen 2008 und 2013 sind 40.000 Türken aus Deutschland ausgewandert. Nach Untersuchungen der Zeitschriften FOCUS und DIE WELT waren darunter auch viele Akademiker.

Lassen Sie uns daran erinnern, dass jedes dritte Kind in Deutschland ausländischer Abstammung ist. In den Großstädten sind sogar mehr als die Hälfte der Grundschulkinder Migranten.


Es ist wichtig, dass Migrantenkinder Kindergärten und andere vorschulische Einrichtungen besuchen. Gleichzeitig bedeutet jedoch auch der Ausbau der eigenen Muttersprache in diesem frühen Alter eine Investition in die Zukunft.

Daher würde ein Ausbau von zweisprachigen Kindergärten und Schulen sehr zu dem Bildungserfolg türkischer Kinder beitragen.

Zuletzt möchte ich darauf hinweisen, dass die türkische Sprache zu den zehn weltweit am meisten gesprochenen Sprachen zählt und als eine kulturelle Bereicherung betrachtet werden kann.

Von daher möchte ich hier die Forderung der Türkischlehrer nach einer größeren Anerkennung der türkischen Sprache unterstreichen.

Die hier anwesenden Experten haben die Aufgabe, diese Position in der Öffentlichkeit zu vertreten. Gleichzeitig sind wir als Generalkonsulat bemüht, auch die türkische Gemeinschaft in dieser Hinsicht zu sensibilisieren.

Das TÖMER-Institut übernimmt eine wichtige Funktion bei der Verbreitung der türkischen Sprache. Wir freuen uns sehr, dass 258 Personen nach bestandener Prüfung heute ihre TÖMER-Zertifikate erhalten. Und ich wünsche mir, dass diese Zahl in der Zukunft noch stetig wachsen wird.

Ich möchte nun diejenigen, die heute ihre Zertifikate erhalten, einem kleinen Test unterziehen, indem ich mit folgenden Worten des türkischen Lyrikers Cemal Süreyya ende:

Durakta üç kişi
Adam kadın ve çocuk
Adamın elleri ceplerinde
Kadın çocuğun elini tutmuş
Adam hüzünlü
Hüzünlü şarkılar gibi hüzünlü
Kadın güzel
Güzel anılar gibi güzel
Çocuk
Güzel anılar gibi hüzünlü
Hüzünlü şarkılar gibi güzel

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.