Türkiye Cumhuriyeti

Münster Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

Rede anlässlich des Vortrags von Brigadegeneral a.D. Eckhard Lisec, 17.04.2015

Sehr geehrter Herr Prof. Leidinger,
sehr geehrter Herr Lisec,
sehr verehrte Gäste,

zunächst möchte ich Sie recht herzlich begrüßen. Das Jahr 2015 wird zum Jahrestag bedeutsamer Ereignisse: In diesem Jahr wird der 200. Jahrestag des Wiener Kongresses sowie der 70. Jahrestag des Ende des 2. Weltkrieges begangen. Ein weiteres wichtiges Ereignis war die Schlacht von Gallipoli im Jahre 1915. Heute sind wir hier zusammen gekommen, um die Bedeutung dieser wichtigen Schlacht zu diskutieren.

Sehr verehrte Gäste,

siebzig Jahre sind vergangen, seitdem einer der verheerendsten Kriege in der Geschichte der Menschheit zu Ende ging. Seitdem erlebt Europa - abgesehen von dem in den 90iger Jahren in der Phase des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawien an bosnischen Moslems verübten Völkermord - die längste Friedensperiode innerhalb seiner Geschichte.

Für die neue Generation ist „Frieden“ eine natürliche Lebensform. Die gegenwärtigen Ereignisse in der Ukraine zeigen uns wieder einmal, dass Frieden durchaus nicht selbstverständlich ist. Auch der Krieg im Nahen Osten, der an die Glaubenskriege in Europa vor dem Westfälischen Frieden erinnert, schafft großes Leid. Im Irak, in Syrien und jüngst in Jemen sind Millionen von unschuldigen Menschen von diesem Konflikt betroffen.

Die Türkei liegt in inmitten dieser Krisenherde und wird wie in der Vergangenheit auch weiterhin viele schutzsuchende Flüchtlinge aufnehmen. Derzeit leben in der Türkei etwa zwei Millionen syrische Kriegsflüchtlinge. Nach den von den Vereinigten Nationen veröffentlichten Zahlen zählt die Türkei weltweit zu den Ländern, die die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Allein für die Flüchtlinge aus Syrien wurden sechs Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

Wir sind Zeuge, welche Folgen der Krieg haben kann. Um den Wert des Friedens schätzen zu können, müssen die Kriege der Vergangenheit besser begriffen werden.

Bei der Entstehung von Nationen haben Kriege oft eine bedeutsame Rolle gespielt. Auch die Türkische Republik entstand aus der Asche eines 600-jährigen Imperiums. Vor der Gründung der Republik, in den Jahren von 1911 bis 1922, befanden sich die Türken in ständigem Krieg, was nicht nur zu Gebietsverlusten, sondern auch zum Verlust vieler Menschenleben führte.



Um die moderne Türkei zu verstehen, muss man die Dynamik ihrer Gründung sehr gründlich analysieren.

Ebenso wie andere Vielvölkerstaaten - das Russische Zarenreich und die Österreichisch-ungarische Monarchie - zerfiel auch das Osmanische Reich nach dem Ende des 1. Weltkriegs.

Eine der entscheidendsten Schlachten im 1. Weltkrieg fand von Februar 1915 bis Januar 1916 auf der Halbinsel Gallipoli statt. Hier wurden auch die ersten Weichen für die Gründung der Türkischen Republik im Jahr 1923 gelegt.

Die Schlacht von Gallipoli, die auf Befehl Winston Churchills von der mächtigen englischen Seemacht eröffnet wurde, sollte für die türkische Nation, die in ihrer gesamten Geschichte niemals kolonialisiert wurde, schicksalsbestimmend werden. Das eigentliche Ziel dieser Schlacht war es, Istanbul zu besetzen und das Osmanische Reich außer Gefecht zu setzen.

Die am 18. März 1915 begonnene Seeoffensive blieb erfolglos. Bei der Verteidigung waren allen voran der deutsche General Liman von Sanders sowie zahlreiche deutsche Soldaten im Einsatz. Unter ihnen war auch Otto Hersing, der als Kommandant des U-Boots U21 an der Schlacht beteiligt war und für den wir heute eine Gedenkfeier abgehalten haben.

Die Bodenoffensive, die im April 1915 begann, kostete viele Menschenleben. Dabei fanden ähnliche Grabenkriege statt wie an den Fronten von Somme und Verdun. Ein türkischer Historiker hat die Schlacht von Gallipoli einmal als „1. Weltkrieg in Miniatur“ bezeichnet. Auf einer Fläche von 4 Quadratkilometern wurden auf beiden Seiten Hunderttausende von Menschen getötet oder verletzt.

Für die türkische Nation ist die Schlacht von Gallipoli in zweierlei Hinsicht bedeutsam. Zum einen erschien Mustafa Kemal, der spätere Begründer der Republik Türkei, zum ersten Mal auf der historischen Bühne. Als Oberstleutnant und später Oberst spielte er in dieser Schlacht eine entscheidende Rolle. Zum anderen wurde das türkische Volk durch die erfolgreiche Verteidigung seines Landes in seinem Selbstbewusstsein bestärkt, was auch in Hinblick auf die Gründung der Republik bedeutsam war. Nach der erfolgreichen Verteidigung des Landes gegen die imperialistischen Mächte setzten es sich die Gründer der Republik zum Ziel, Bestandteil der westlichen Zivilisation zu sein.

Aus diesem Grund sind die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Schlacht von Gallipoli von 1915 sehr bedeutsam.





Auch in der Türkei finden zurzeit sowie in den kommenden Monaten zahlreiche Gedenkfeiern statt. Die Feierlichkeiten werden am 24. April ihren Höhepunkt finden, wenn auf der Halbinsel Gallipoli zahlreiche Staats- und Regierungschefs zusammen kommen werden, um dieses historischen Ereignisses zu gedenken.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.